Was für eine Zettelwirtschaft!

Kassenbon-Pflicht – die NEUE UMSCHAU fragt bei Geschäftsleuten nach

Von Steffen Meinert

Lübbecke. Jetzt ist es so weit. Endlich da, um Steuerbetrug einzudämmen: die Kassenbon-Pflicht. Doch wie gut ist das Gesetz wirklich? Die NEUE UMSCHAU hat in Lübbecke die Probe aufs Exempel gemacht. Das Ergebnis ist wenig überraschend.

Vor gut vier Jahren vom Bundestag beschlossen sind seit Anfang Januar alle Einzelhändler dazu verpflichtet, Kassenbons zu drucken und auszugeben. Ziel soll es sein, Steuerbetrug zu vermeiden und jede verkaufte Ware zu erfassen und zu dokumentieren. Alternativ ist es aber möglich, den Kassenbon per Handy-App oder Email dem Endkunden zur Verfügung zu stellen.

So weit so gut. Das Ziel steht fest. Aber wie wird diese Kassenbon-Pflicht aufgenommen. Gerade im Internet ist viel zu lesen, dass diese unnötig sei. Die Kritik geht so weit zu sagen, dass es schlicht bürokratische Schikane sei und die Umwelt durch schädliche Inhaltsstoffe und schlechte Entsorgungsmöglichkeiten zusätzlicher Bons belastet wird. Wie so oft bei Kommentaren und Kritik im Internet lässt sich nicht genau sagen, wie viel Wahrheit dahintersteckt. Um zu erfahren, wie die Bonpflicht in der Realität aufgenommen wird, schaute sich die  NEUE UMSCHAU  in der Lübbecker Langen Straße   und sprach mit verschiedenen Verkäufern und Inhabern.

bon3 editedEine besondere Art, mit den ungeliebten Zetteln umzugehen, hat Björn Kollweier in seinem Lübbecker Bioladen gefunden

Darunter zwei bekannte Backwarenanbieter, das Wilkin Hake Reformhaus und das Café Janke. Die Orte waren gut gewählt. Schlangen an den Kassen, voll besetzte Sitzplätze und eifrig kassierende Mitarbeiter. Und es dauerte auch nicht lange und man sah, was viele schon vorhergesagt haben: Lange Rollen und große Stapel nicht gewollter Kassenbons. Spricht man die einzelnen Gäste an, sieht man übereinstimmendes Kopfschütteln: „Wirklich verstehen kann ich es nicht“, so einer der wohl am häufigsten verwendeten Sätze. Nutzt man die Gelegenheit und spricht mit den Kassieren ändert sich das Bild nicht. Viele lachen zuerst und zeigen dann direkt auf die Kassen. Und da sind sie dann: Die bereits erwähnten ungewollten Kassenbons. Und auch Konditormeister Dieter Janke hält nicht viel von der neuen Kassenbonpflicht: „Es ist nicht viel, aber schon mehr Aufwand. Wir müssen ja jetzt jedes Mal den Bon drucken und fragen, ob er mitgenommen werden soll.“

Janke Thresen editedDa liegen sie: nicht gewollte Kassenbons im Café Janke.

Eine ganz besondere Art mit den Kassenbons umzugehen hat der Bioladen von Inhaber Björn Kollweier gefunden. Direkt im Kassenbereich stehen jetzt zwei große Gläser, in die die nicht gewollten Kassenbons geschmissen werden können. Gesammelt werden soll erstmal bis Ende Januar. Schaut man sich aber den aktuellen Füllstand an ist zweifelhaft, ob die zwei Gläser ausreichen. Wer sich die Kassenbons etwas genauer ansieht wird feststellen, dass diese im Vergleich zu anderen Bons eher dunkel bis grau aussehen. Das liegt daran, dass Kollweier schon länger auf schadstofffreiere Papiere umgestellt hat. „Dabei denke ich auch an die Kassierer überall. Wenn die tagtäglich so einen klassischen Bon mit all den Schadstoffen anfassen ist die Wahrscheinlichkeit groß, diese Schadstoffe in überhöhtem Maß über die Haut aufzunehmen.“ Die dunklen Bons kosten zwar etwas mehr, das sei es Kollweier aber Wert.

Damit aber nicht genug. Hinter der Sammlung der Kassenbons steckt noch mehr. Gegen Ende Januar will Björn Kollweier die gesammelten Kassenbons verpacken und an das Bundesumweltministerium schicken. „Wir wollen aufmerksame machen und darauf hinweisen, dass durch diese Regelung zu viel Müll entsteht.“

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