»Sie sind Unternehmer, ich unternehme«


Mario Adorf und Paul Gauselmann verbrachten unterhaltsame Stunden
 

Mario Adorf und Paul Gauselmann flotten Schrittes auf dem Weg zum Schloss.
 
Benkhausen. Im historischen Trauzimmer von Schloss Benkhausen unterhielten sich zwei Tage lang vor laufender Kamera, in gediegenen Ledersesseln sitzend, zwei lebenserfahrene Herren über Vergangenes, Erlebtes und Gegenwärtiges. Der eine von ihnen, Paul Gauselmann, 81-jähriger Industrieller mit einem weltweiten Netz von Unternehmen und mehr als 9500 Mitarbeitern, den die Medien auch gern den »König der Spielautomaten« nennen. Der andere Mario Adorf, mit seinen 85 Jahren immer noch Deutschlands bedeutendster Schauspieler und mit einer internationalen Filmkarriere, die ihresgleichen sucht. Beide Meister ihres Metiers, beides Persönlichkeiten mit Charisma und Charakter.
 
Anlass für das Gespräch war ein ungewöhnliches Projekt des Filmemachers Alexander Dannenberg. Aufgefallen war ihm, dass Paul Gauselmann als einer der letzten Unternehmerpersönlichkeiten, die ihre Wurzeln in der frühen Nachkriegsgeschichte hat, seinen von ihm gegründeten Konzern immer noch aktiv gestaltend selber führt. Ein Patriarch im besten Sinne des Wortes. Als Gesprächspartner mit ebenbürtiger Persönlichkeit kam für den Filmemacher nur Mario Adorf in Betracht, ebenfalls ein starker Charakter, der überdies schon häufig Patriarchen verkörpert hat.
Für seinen Film, den Dannenberg eine »Dokumentation über Zeitgeschichtliches« nennt, entwickelte der Filmemacher ein völlig neues Konzept. Ohne Drehbuch und nur mit sehr zurückhaltender Regie blickten die beiden Gesprächspartner durch die Etappen ihres Lebens mit all ihren Höhen und Tiefen.
Zwischen beiden habe die Chemie von Anfang an gestimmt, bestätigen sie unisono. »Wir stammen aus ähnlichen Verhältnissen«, berichtet Paul Gauselmann dazu. »Mario Adorf ist ohne Vater aufgewachsen, ich ohne Mutter.« Beide teilen auch ähnliche Erlebnisse während des Krieges, mussten sich immer irgendwie durchschlagen, um zu überleben.  Doch während Paul Gauselmann nach dem Krieg voller Tatendrang loslegte, Karriere machte, eine Familie gründete und dann –  zunächst nebenberuflich – den Sprung in die Selbstständigkeit als Musikautomatenaufsteller wagte, hatte sich das Bild des zerstörten Deutschlands tief in Mario Adorf eingeprägt. »Mir fehlte es zeitlebens an jedweder unternehmerischer Ader«, räumt er ein, »aber ich habe diese Leute, die ich nach dem Krieg als ›Macher‹ erlebt habe, immer sehr bewundert!«
Seine späteren Rollen, zum Beispiel als Generaldirektor Heinrich Haffenloher in Kir Royal oder als Kaufhausinhaber Peter Bellheim, unterstreichen diese Affinität zu echten Unternehmertypen und erleichterten ihm gleichzeitig, sich vorbehaltslos und einfühlsam mit Paul Gauselmann über sein Lebenswerk, seine Lebenserfahrungen, Ein- und Ansichten auszutauschen. »Der 45-minütige Film wird kein Spielfilm sein, sondern eher eine Art Dokumentation über das Unternehmertum in der Nachkriegszeit am Beispiel von Paul Gauselmann, der aus einem Einmannbetrieb binnen fast 60 Jahren einen internationalen Konzern aufgebaut hat, so Produzent Dannenberg. »Firmenpatriarchen wie Paul Gauselmann, die auch mit über 80 Jahren und vor dem Hintergrund einer solchen Erfolgsgeschichte ihr Unternehmen noch aktiv leiten, sind in Deutschland rar geworden. Ebenso rar wie Filmpatriarchen, die sich wie Mario Adorf längst auf ihren künstlerischen Lorbeeren ausruhen könnten, aber trotzdem noch offen sind für ungewöhnliche Projekte wie unsere Dokumentation.«.
Stundenlang könnte man Mario Adorf zuhören, der eine Geschichte an die andere reihen kann. Und der auch Zitate liefert wie dieses: »Sie machen Spiele und ich spiele. Sie sind Unternehmer und ich unternehme.«

Der Schauspieler und der Unternehmer hatten offensichtlich Spaß miteinander.
Der 85jährige Adorf nahm anschließend zwei Stufen der Treppe auf einmal auf
dem Weg ins Schloss.

Hildegard und Rainer Kleffmann nehmen Abschied vom »Quellenhof«


Das beliebte Hotelier-Ehepaar geht nach 33 Jahren in den Ruhestand

Rainer und Hildegard Kleffmann standen 33 Jahre hinter dem Empfangstresen des Hotels.
 
Lübbecke (huse). 33 Jahre lang haben Hildegard und Rainer Kleffmann das Hotel »Quellenhof« unterhalb des Lübbecker Krankenhauses betrieben. Nun werden sie das Haus am 1. Oktober an Johannes Hamacker aus Syke übergeben. Im Gespräch mit den Eheleuten spürt man, wie schwer ihnen dieser Schritt fällt. Doch die Zeit sei gekommen, so Hildegard Kleffmann, »um Abschied zu nehmen«.
 
Rainer Kleffmann, ein Lübbecker Urgestein, ist vor seiner Rückkehr nach Lübbecke viel in der Welt herumgekommen. Auf dem »Schwaghof« in Bad Salzuflen hat er von 1963 bis 1967 gelernt. Zwei Reisen hat er danach während seines Jahres aus der »Hanseatic« mitgemacht, ehe er zu Bundeswehr ging. Es folgten Anstellungen in Wien, bei »Käfer« in München und in Heidelberg. Nach der Meisterschule kehrte er in seine Heimatstadt zurück und übernahm den »Kamin«, denn, so Rainer Kleffmann, »ich wollte mich immer selbstständig machen.«
Seine Frau Hildegard ist in Bad Wallhausen bei Kreuznach aufgewachsen. Die gelernte Frisörin hatte immer eine große Nähe zum Wein und so führte sie irgendwann eine Weinlieferung in den »Kamin« - und eine Ehe war gestiftet. Und die beiden machten sich dann gemeinsam ans Werk.
Das Grundstück an der Obernfelder Allee war schon 1975 gekauft worden. Ehe es ans Bauen ging, wurden bereits die Terrasse und der Garten angelegt. Von den Vätern der beiden, Willi und Ferdinand und mit tatkräftiger Unterstützung von Hartmut Schuster. Am 1. September 1982 war  Baubeginn, am 5. Oktober 1989 wurde Einweihung gefeiert. Allerdings, so erinnern sich die beiden, hatte man schon vorher erste Gäste. Am 24. September logierte die internationale Jury eine Voltigierwettbewerbs im Haus und am 30. September feierte Friedrich Warmann seine Silberhochzeit. Der hatte nur eines bei einer Vorabbesichtigung zu bemängeln, nämlich, dass die Wände noch komplett kahl waren. Das wurde geändert und so konnte man fröhlich feiern.

Das Hotel »Quellenhof« wurde im Oktober 1989 eingeweiht.

Zwei Kinder haben die beiden, die es wie ihren Vater ebenfalls in die weite Welt hinausgezogen hat. Sohn Jörg war nach seiner Hotellehre in verschiedenen Hotels tätig, wie im Marriott und im Hyatt, bevor er in die Hilton-Zentrale nach Frankfurt ging. Heute arbeitet er dort schon seit 15 Jahren im Management - weltweit. Tochter Tanja lebt seit drei Jahren mit ihrer Familie in Sri Lanka und hat mit ihrem Mann eine selbstständige Textilagentur gegründet. Davor arbeiteten beide in Indonesien und China.
Was die Zukunft von Hildegard und Rainer Kleffmann angeht, so soll die sehr entspannt sein (»Nicht jeden morgen um 6 Uhr aufstehen«). Sie haben sich eine Wohnung in Lübbecke gekauft. Sie lesen gern und Hildegard wird weiter ihr Tagebuch führen, was sie bereits seit 40 Jahren tut. Dass Georg Christoph Lichtenberg einer ihrer Vorfahren ist, hat vielleicht dazu geführt, dass sie auch Gedichte schreibt. Rainer hat ein Segelboot am Steinhuder Meer, das öfter genutzt werden soll. Für ihn wird der Übergang in den Ruhestand ohnehin nicht abrupt erfolgen, denn er wird den neuen Pächter in einer Übergangsphase mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Auf diesem Wege wollten sich die Kleffmanns auch noch bei ihrem treuen und guten Personal bedanken, dass mit seiner Arbeit mitgeholfen habe, den guten Ruf des »Quellenhofes« zu begründen. Was sich nicht zuletzt an der großen Zahl von Stammgästen ablesen lässt.

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Angelika Gauselmann und Hans-Gerd Tantius ist es zu danken

Benkhausen: Otto Piene lockte viele Menschen an


Vor der Lichtskulptur: Hausherr Paul Gauselmann, Otto Pienes Tochter Anette Würtemberg, Angelika Gauselmann, die zusammen mit Hans-Gerd Tantius eine wunderbare Ausstellung geboten hat (von links).

Benkhausen  (huse). Das Beste soll man sich bis zum Schluss aufbewahren, ist ein gutgemeinter Ratschlag. Dem ist Hans-Gerd Tantius, Kunsthändler aus Lübbecke und maßgeblicher »Beschicker« der Otto-Piene-Ausstellung auf Schloss Benkhausen,  gefolgt. In allerletzter Minute gelang ein echter Coup, denn er konnte für die Abschlussveranstaltung und den darauf folgenden letzten Ausstellungstag noch eine Lichtskulptur des Künstlers aufs Schloss schaffen.

Nicht ganz einfach ist das. Eineinhalb Wochen vor Ende der Ausstellung rief ihn ein befreundeter Kunstsammler aus Düsseldorf an: »Die Skulptur ist wieder da.« So wurde ein Transport organisiert und am Samstagabend kamen die Besucherinnen und Besucher in den Genuss eines ganz besonderen Gefühls, ausgelöst von einem Kunstwerk.

Wenn es dunkel ist, dann macht eine solche Lichtskulptur aus einer profanen Zimmerdecke und den Wänden einen sich bewegenden Sternenhimmel. Man kommt zur Ruhe, wird aus der Realität entführt und beginnt zu träumen (so ergeht es mir und offenbar auch anderen im Foyer des Schlosses).

Bevor es dazu ausreichend dunkel war, trafen sich die Kunstinteressierten in der Rentei von Benkhausen, wo sie auch Anette Würtemberg, die Tochter von Otto Piene, kennenlernten, die zusammen mit ihrem Mann aus München angereist war. Sie erinnert sich gern an ihre Kindheitstage in Lübbecke und freute sich besonders, an diesem Abend eine alte Freundin aus dieser Zeit wiederzutreffen.

Angelika Gauselmann hat jeden Tag die Ausstellung geöffnet (»Manchmal wusste ich gar nicht mehr, welcher Tag war«) und dabei einen »Riesenspaß« gehabt. »Besonders schön fand ich, wie viele Menschen aus Otto Pienes Vergangenheit hier auftauchten«. Schulfreunde, Nachbarkinder, auch ehemalige Studentinnen. Sie alle hätten viele Anekdoten zu erzählen gehabt.

Rund 600 Besucher, auch von weither, fanden den Weg nach Benkhausen. »Wir sind bei dpa in einem Atemzug mit Berlin und Venedig genannt worden.« Diese Ausstellung habe Schloss Benkhausen weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Die Mühe hat sich gelohnt und ehrte einen großen Künstler, dessen Kunst viele Wurzeln in Lübbecke und Umgebung hatte.

Neben Hans-Gerd Tantius, der viele Arbeiten von Otto Piene gesammelt und nun auch in Benkhausen gezeigt hat, waren auch zahlreiche Bilder aus Privatbesitz zu sehen. Wie schön eine Arbeit von Otto Piene wirkt, das kann man eigentlich erst ermessen, wenn man eine zuhause an der Wand hängen hat. Davon erzählte auch eine Lübbecker Bürgerin, die jeden Morgen beim Frühstück auf ein Piene-Original blickt. So beginne der Tag gut.




Fantastisch: Die Lichtskulptur von Otto Piene.
Magische Bilder
werden auf die Wände, den
Boden und an die Decke »gemalt«.

Cartoon

Die Kolumne von Ernst von Früher

Satz für Satz

Von Zeit zu Zeit mache ich mir den Spaß, die sogenannten Übersetzungsmaschinen zu testen. Haben sie Fortschritte gemacht? Diesmal gab ich drei verschiedenen Übersetzern (www.babelfish.de; http://systranet.com; http://www.cengolio.com) eine kleines Textstück von Franz Kafka ein und ließ es ins Englische und vom Englischen zurück ins Deutsche übersetzen. 

Kafkas Text – es spricht ein Hund, aber er spricht eindeutig Deutsch, und zwar ein einfaches, klares Deutsch:

»Wie sich mein Leben verändert hat und wie es sich doch nicht verändert hat im Grunde! Wenn ich jetzt zurückdenke und die Zeiten mir zurückrufe, da ich noch inmitten der Hundeschaft lebte, teilnahm an allem, was sie bekümmert, ein Hund unter Hunden, finde ich bei näherem Zusehen doch, daß hier seit jeher etwas nicht stimmte, eine kleine Bruchstelle vorhanden war, ein leichtes Unbehagen inmitten der ehrwürdigsten volklichen Veranstaltungen mich befiel.«

babelfish übersetzt ins Englische: How my life has changed and how it has not changed basically! When I think back now and the times recall me because I was still alive in the midst of the dog shaft, participated in everything she grieved a dog among dogs, I find on closer inspection, however, that there has always been something wrong, a little breaking point yet was a slight discomfort in the midst of the most venerable Anecdotal events befell me.

Und zurück ins Deutsche: »Wie mein Leben hat sich verändert und wie es im Grunde nicht verändert! Wenn ich jetzt zurück denken und die Zeiten mich erinnern, weil ich noch am Leben in der Mitte des Hundes Welle war, beteiligte sich an alles trauerte sie unter den Hunden einen Hund, ich bei näherer Betrachtung jedoch feststellen, dass es etwas falsch immer war, ein wenig Bruchstelle war noch ein leichtes Unbehagen in der Mitte der ehrwürdigsten Anekdotische Ereignisse mich befiel.«

systranet kommt zu: How my life changed and how it nevertheless did not change in the reason! If I think back now and me it recalls the times since I lived still in the midst of the dog shank, an easy uneasiness participated in the midst of the most venerable volklichen events me struck in everything that it sorrowfully, a dog under dogs, I find when close watching that since always somewhat was not correct here, a small location of fracture nevertheless was present.

Und zurück zu: »Wie mein Leben geändert und wie es dennoch nicht im Grund änderte! Wenn ich zurück jetzt denke und ich es die Zeiten erinnere an, seit ich noch inmitten des Hundeschaftes lebte, nahm eine einfache Angst inmitten des ehrwürdigsten volklichen Ereignisse teil, die ich in alles schlug, dem es traurig, ein Hund unter Hunden, ich wann nahes Aufpassen findet, dass, da immer ein wenig nicht hier korrekt war, eine kleine Bruchstelle dennoch anwesend war.«

cengolio ins Englische: How my life has changed and how it has not changed basically! When I think back now and the times to call me, since I lived in the middle of the Hundeschaft, took part in everything that‘s bothering her, a dog among dogs, I find on closer inspection is that there has always been something was wrong, a small fracture was present, a slight discomfort in the midst of the most venerable people of events befell me.

Und zurück: »Wie sich mein Leben verändert hat und wie es sich nicht verändert hat im Grunde! Wenn ich denke, jetzt zurück - und die Zeiten zu nennen, die mich, seit ich lebte, in der Mitte der Hundeschaft, nahm Teil an allem, was stört Sie, ein Hund unter Hunden, finde ich bei genauerer Betrachtung, dass es schon immer etwas falsch war, einen kleinen Bruch vorhanden war, ein leichtes Unbehagen inmitten der ehrwürdigsten Menschen, von Ereignissen, befielen mich.«

Das alles ist wenig rühmlich für die sogenannte künstliche Intelligenz und erinnert eher an ähnliche verwirrende Ergebnisse früherer Vergnügungen mit dem alten Gesellschaftsspiel »Stille Post«. Wie mag bei solcher Lage der Dinge dann wohl erst ein Versuch ausgehen, bei dem ein sprichwörtlicher Satz in seiner übertragenen Bedeutung verstanden werden will? Sagen wir: »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm«.

Aber siehe da! Die schöne neue Technik gebiert zuweilen kleine Wunder!

Kein Wunder, sondern das Übliche erlebt man bei cengolio: The Apple doesn‘t fall far from the tree. / »Der Apfel fällt nicht weit vom Baum.« – Das ist nicht nur dem Wortlaut nach falsch (ein Stamm ist nicht ein Baum/tree), sondern trifft auch nicht den Sinn des Gleichnisses.

babelfish stellt zur Auswahl: (1) The Apple doesn‘t fall far from the master. / »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.« (Der englische Satz, obwohl wörtlich rätselhaft, führt in der Rücküberetsetzung aber zum richtigen Ausgangssatz). (2) He is a chip of the old block./»Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.« Das ist nun geradezu mustergültig: statt einer wörtlichen Übersetzung eine gleichsinnige englische Spruchweisheit (wörtlich: »Er ist ein Span vom alten Block.«) und diese wiederum übertragen in eine deutsche, die genau der Vorlage entspricht.

Ein ähnliches Meisterstück liefert auch systranet: Like father, like son (Wie der Vater so der Sohn) / »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.« - Geht doch!

 

 

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