(Schönes) Design und (sein brutaler Schatten) Gewalt im Museum Marta

Designerinnen und Desigern einer neuen Generation zeigen knapp 100 unterschiedlichste Exponate

Herford. Mit »Brutal schön – Gewalt und Gegenwartsdesign« präsentiert Marta Herford DesignerInnen und KünstlerInnen einer neuen Generation: Sie erschaffen nicht nur ansprechendes Design, sondern machen durch Gestaltungsprozesse Gewalt sichtbar und setzen der Brutalität schöpferisch etwas entgegen. Knapp 100 Exponate aus Europa, Afrika, Nord- und Südamerika demonstrieren, dass Design beides ist: brutal und schön. Gezeigt wird die Ausstellung »Brutal schön - Gewalt und Gegenwartsdesign« im Museum Marta in Herford bis zum 1. Mai 2016.

Außergewöhnliche Schale? Ja - auf den ersten Blick. Der zweite offenbart die Gestaltungsdetails: Plastik-Zinnsoldaten, die zu einer ganz anderen, friedlichen »Schlachtanordnung« arrangiert wurden.

»,Brutal schön‘ handelt nicht nur von Design, das gemacht wurde, um zu verletzen oder zu zerstören. Im Gegenteil. Was die Ausstellung zu zeigen beabsichtigt ist, dass sich Gewalt in jedem Design verbirgt. Jedes Design hat einen Januskopf – die eine Seite ist prächtig, die andere Abschaum – die Atomkraft ist das tragischste Beispiel. Wer auch immer über die Zukunft von Gestaltung nachdenkt, muss deren Dualität berücksichtigen – Design und sein Schatten«, sagt Max Borka. Der Designtheoretiker Borka und der Szenograf Matthias Megyeri stellen die Marta-Ausstellungsmacher Gegenwartsdesign auf den Prüfstand, wobei sie den komplexen Gewaltbegriff auf drei Themen und drei Fallbeispiele fokussieren.

Gewalterfahrungen sind eine internationale Konstante, die Kehrseite ist ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis. Und so empfängt den Besucher der Marta-Ausstellung »Brutal schön« ein Zaun wie aus viktorianischer Zeit. Statt mit gewöhnlichen Spitzen ist dieses Exemplar von Matthias Megyeri, das in den Werkstätten der JVA Herford entstand, mit Comic guren als Spitzen versehen. Nicht nur durch den Zaun, einem Element, das in der Ausstellung in verschiedenen Varianten auftaucht, sondern auch in dem Bereich »Gewalt als Rohmaterial« werden Grenzen selbst zum Thema. Was ansprechend oder auf den ersten Blick harmlos daher kommt, offenbart sich hier bei genauerem Hinsehen als etwas ganz Anderes. So zum Beispiel Ron Froms Schokopralinen, die einen bittersüßen Geschmack hinterlassen: Sie bilden die israelischen Sperranlagen oder Raketen nach.

Im Kapitel »Design und sein Schatten« treffen Exponate wie ein VW-Käfer-Modell mit bunten Hippieblumen auf einen Schichtholzstuhl des Eames-Ehepaars. Ihre Gemeinsamkeit ist nicht nur der Status als Designikonen, sondern auch ihr Ursprung in dunklen Kapiteln der Geschichte. Der Käfer, entwickelt von den Nationalsozialisten als Kraft durch Freude-Wagen«, wurde zu unterschiedlichen Zeiten Symbol sowohl der Hippiebewegung als auch von Hitlers Diktatur. Neben der Sichtbarmachung ist auch »Gewalt abbauen« ein wesentlicher Teil der Ausstellung. Beispiele für ein aktives Einbinden als Gewaltprävention sind ein Sportkopftuch der Designerin Elham Seyed Javad, das die Wettkampfteilnahme muslimischer Frauen an Kampfsportarten ermöglicht, oder der Film »Skateistan«. Dieser stellt eine Skateboardschule in Afghanistan vor, die ihre Schützlinge zugleich an Bildung heranführt und im Selbstvertrauen stärkt.»

Einen Drohnenschatten hat James Bridle als Außeninstallation gegenüber dem Museum Marta geschaffen.

Organisierte Gewalt« zeigt unter anderem das »Drone Shadow Handbook«, das die Besucher mitnehmen und so den Künstler James Bridle bei der viralen Verbreitung der Drohnenschatten unterstützen können. Hier bricht die Ausstellung – wie auch das Gewaltthema – aus dem (Museums)Raum aus: Eine Realisierung des Drohnenschattens mit über 20 Metern Spannbreite findet sich schon gegenüber des Gehry-Baus. Er ist aber auch bereits ein Querverweis auf die Ausstellung »Magie und Macht – Von fliegenden Teppichen und Drohnen«, die ab 26. Februar ebenfalls im Marta zu sehen ist. Im Windfang des Museums wiederum erklingt Wagners »Ritt der Wallküren«, die zynische Begleitmusik eines amerikanischen Hubschauerangriffs auf Vietnam im Filmklassiker »Apocalypse Now« von Francis Ford Coppola. Damit wird auch die Hubschrauberskulptur »Hoher Besuch« von Michael Sailtorfer neben dem Marta in einen beängstigenden neuen Kontext gerückt. Friederike Fast, verantwortliche Kuratorin der Ausstellung »Brutal schön«, fasst zusammen: »Es geht weniger um eine Bestandsaufnahme als vielmehr um eine Perspektivänderung. In Krisenzeiten werden massive Freiheitsbeschränkungen aus Gründen der Sicherheit hingenommen.Verunsicherung und Angst sind aber keine guten Berater. Es gilt, auf diese Entwicklungen zu reagieren, eine gemeinsame Sprache zu finden. Die Projekte und Strategien, die in »Brutal schön« gezeigt werden, verdeutlichen, dass wir solidarisch handeln müssen und jeder etwas tun kann. Damit wird eine optimistische Perspektive eröffnet.«

Text: Sarah Niesel - Museum Marta Herford / Fotos: www.hallo-luebbecke.de

Highlight in 2016: »Nathan der Weise«

»Berliner Ensemble« erneut zu Gast in Espelkamp

Espelkamp. Es wird DAS Kulturhighlight des Jahres 2016: Am 20. und 21. November 2016 ist das weltberühmte »Berliner Ensemble« mit dem Stück »Nathan der Weise« im Neuen Theater Espelkamp zu Gast.

Eintrittskarten für die Vorstellung am Sonntag, 20. November 2016, um 18:00 Uhr, gibt es in den Vorverkaufsstellen im Kulturbüro im Bürgerhaus Espelkamp, Wilhelm-Kern-Platz 14, Tel. 05772562-161, 562-185 oder 562-255, sowie in der Geschäftsstelle der Neuen Westfälischen in Lübbecke, Lange Straße 33, Tel. 05741/4000-0, und im Reisebüro Durnio, Steinstraße 4, in Rahden, Tel. 05771/9111-0, oder online un-ter www.theater-espelkamp.de. Die Vorstellung am Montag, 21. November 2016, ist für den Besuch von Schulklassen vorgesehen.

1779 veröffentlicht und trotzdem heute aktuell wie damals: Mit »Nathan der Weise« präsentiert das Volksbildungswerk Espelkamp eine herausragende Inszenierung von Claus Peymann im Neuen Theater. Fotos: MuTphoto

Für die Inszenierung zeichnet Claus Peymann verantwortlich. »Ich freue mich, dass wir Claus Peymann mit diesem Klassiker erneut für Espelkamp gewinnen konnten«, sagt Margrit Harting, Generalbevollmächtigte Gesellschafterin. Bereits dreimal gastierte das Ensemble im Neuen Theater – und zwar mit den Stücken »Die Kleinbürgerhochzeit« (2006), »Andorra« (2010) und »Wir Negativen!« (2012). »Leider werden wir wohl Claus Peymann in seiner Funktion beim Ensemble hier in Espelkamp das letzte Mal erleben«, führt Margrit Harting weiter aus, denn Peymanns Vertrag in Berlin endet 2017. Um die Auf-führung herum haben die Partner Neues Theater / Volksbildungswerk Espelkamp, die Stiftung der Sparkasse-Minden Lübbecke zur Förderung von Kunst und Kultur und die HARTING Technologiegruppe eine Reihe von Aktivitäten geplant. Eine von zwei Aufführungen des Werkes ist als Schüleraufführung geplant. Daher schreiben die Beteiligten zusätzlich einen Schülerwettbewerb mit dem Titel »Nathan Reloaded…« aus. Als Anerkennung sind für die Wettbewerbsgewinner u. a. eine Tagesfahrt nach Berlin mit Besuch des Theaters am Schiffbauerdamm und 50 Eintrittskarten für die Aufführung des Berliner Ensembles »Nathan der Weise« am 21. November 2016 in Espelkamp vorgesehen. Einreichen können die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler Arbeiten aus allen künstlerischen Bereichen, Techniken und Medien (u. a. Literatur, Zeichnung, Male-rei, Skulptur, Fotogra e oder Film). »Wir wollen mit diesem Wettbewerb das Bewusstsein junger Menschen schärfen. Denn RELIGIONSTOLERANZ, Kernbotschaft in Lessings Werk, ist heute aktueller denn je«, erläuterte der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Georg Droste die Motivation zur Idee des Wettbewerbs.

 

 

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