Sorge um alte Kastanie

Lübbecke. Die Zahl der Bäume, die das Lübbecker Stadtbild prägen, ist vergleichsweise übersichtlich. Das Exemplar auf dem Burgmannshof gehört dazu, das belaubte Ensemble zwischen ZOB und Volksbank und die Kastanie auf dem Feuerwehrplatz in Lübbecker Zentrum.  Zugegeben: Platz und Name sind eher nur etwas »älteren« Lübbeckern geläufig. Spricht man aber von »der Kastanie« im Lübbecker Zentrum, wissen viele sofort, um was es geht.
 
So herrschte auch Kopfschütteln bis Entsetzen darüber, dass kürzlich am Vorabend der Abfuhr von Gelben Säcken offenbar ein Brandstifter die rund um den Baum zur Abholung bereit gelegten Säcke angezündet und damit den Baum in Gefahr gebracht hat.
Es war am späten Abend, als Anwohner die Flammen bemerkten und sofort die Feuerwehr alarmierten. Die war wenig später da und hatte das Feuer schnell unter Kontrolle. Flammen und Hitze hatten die Borke des Baumes geschwärzt; es bestand die Gefahr, dass der Baum noch weit größeren Schaden genommen haben könnte. Diese Ansicht vertrat der Leiter des städtischen Bauhofes in einer ersten Stellungnahme. Sein niederschmetterndes Urteil: »Der Baum ist nicht mehr zu retten.«
Anlieger gaben sich damit aber nicht zufrieden. Sie wandten sich an Bürgermeister Frank Haberbosch. Der bestellte mit Jürgen Unger einen Experten der Baumpflege Eichhorn aus Hörstel. Unger kam, veranlasste umgehend die Entsorgung der verseuchten Erde rund um den Baum und riet dazu, vor dem Einsatz der Säge erstmal die Entwicklung des Baumes in der laufenden Vegetationsperiode abzuwarten.
Darüber hinaus nahm eine Anwohnerin Kontakt auf zu Michael Birke, einem vom Land NRW vereidigten Baumsachverständigen. Aufgrund der Informationen – Branddauer maximal rund 15 Minuten, Baumalter rund 90 bis 130 Jahre – kam der Experte ebenfalls zu der Ansicht, die gerade beginnende Vegetationsperiode abzuwarten: »Die Isolationswirkung der Rinde könnte gereicht haben, um das Kambium - Wachstumsschicht zwischen Bastzone und Borke - zu schützen; und das Feuer war sicherlich nach außen heißer als zum Stamm hin, da innen im Feuer weniger Sauerstoff zur Verbrennung zur Verfügung steht.«
Das Ziel, die Kastanie zu erhalten, unterstützen viele Lübbecker auch mit ihrer Unterschrift im Rahmen einer Aktion, die engagierte Anwohner gestartet haben. In nur wenigen Tagen haben sie bereits knapp 300 Unterschriften zum Erhalt des Baumes gesammelt. »Bis Ende April werden es sicher gut 1000 sein, die wir dann Frank Haberbosch übergeben wollen«, sind sich die Organisatoren sicher. (www.hallo-luebbecke.de)

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Die  rund um die Kastanie auf dem Feuerwehrplatz gestapelten Gelben Säcke brennen, die Flammen schlagen hoch am Stamm empor.

 

 

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