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Bürgerhaus: Man hätte Jubiläum feiern können

Am 23. Januar 1993 wurde die Begegnungsstätte »Altes Amtsgericht« eröffnet

Lübbecke (huse). Am 23. Januar 1993 wurde die Bürgerbegegnungsstätte »Altes Amtsgericht« offiziell eröffnet. Sie sollte »zur Förderung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in der Stadt beitragen«, hieß es damals. Wenn man rechnet, ist das Bürgerhaus, wie es verkürzt genannt wird, also jetzt 25 Jahre alt.

Altes AmtsgerichtDas Alte Amtsgericht wurde vor etwas mehr als 25 Jahren als Begegnungsstätte in Betrieb genommen.

Ein Anlass, der landauf, landab als Gelegenheit genutzt wird, um ein Jubiläum zu feiern. Das allerdings ist nicht geschehen. Daher wollen wenigstens wir aus diesem Anlass einen Blick in die Geschichte dieser hart erkämpften Einrichtung werfen.

Los ging alles bereits am 8. Oktober 1984, als sich der Arbeitskreis »Bürgerhaus« der SPD zum ersten Mal traf, nachdem die SPD zuvor dieses Anliegen zu ihrem gemacht und es in ihr Wahlprogramm aufgenommen hatte. Zu diesem Kreis gehörte damals   auch Stadtkämmerer Willi Stodollick.

Etwas mehr als ein Jahr später fand die Gründungsversammlung des Vereins »Bürgerhaus für Lübbecke« statt. Im April des Folgejahres wurde dann zur Gründungsparty bei Blase in Gehlenbeck eingeladen. Mit dabei: Zauberer Udoni, Knut Dobroschke und die Löhner Band »On the Rocks«.

Der Verein trat dann über etliche Jahre als Organisator an unterschiedlichen Veranstaltungsorten auf. Unter anderem hatte man einen Raum in der Niedernstraße 20 angemietet oder aber nutzte das Pädagogische Zentrum des Gymnasiums. Dort traten zum Beispiel die »Beatles Lonely Hearts Club Band« von Uwe Müller, der Kabarettist Dietrich Kittner und der sensationelle Bill Ramsey mit dem Ron-Wilson-Trio aus Holland auf.

Im Dezember 1987 wurde das Gebäude in der Niedernstraße 20 bezogen, das erste Zuhause für den Verein. Dort konnten die Lübbecker zum ersten Mal Lousiana Red erleben, ein in Deutschland lebender Blueser, zusammen mit Little Willi Littlefield, einem in Texas geborenen legendären Boogie-Woogie-Pianisten.

Nach der Niedernstraße 20 dauerte es dann noch fast vier Jahre, ehe nach   Renovierung und Umbau im Alten Amtsgericht die Eröffnung des Bürgerhauses gefeiert werden konnte. Und jetzt ging es richtig los. Zeitweise boten die Bürgerhäusler fast jedes Wochenende eine kulturelle Veranstaltung.

Bill RamseyBill Ramsey war eines von vielen musikalischen Highlights, die der Bürgerhausverein servierte.

Beim Durchforsten der Unterlagen fallen einige Namen besonders ins Auge. Die Barrelhouse Jazzband aus Frankfurt war zu Gast, der Kabarettist Hans Scheibner und der Liedermacher Werner Lämmerhirt. Immer wieder findet man auch Namen heimischer Bands. Uwe Müller mit der »Lonely Hearts Club Band«, die Lübbecker Jazz Group oder »No Mercy«. Zur Einweihungsparty hatte man Lousiana Red, Katie Webster und als Begleitband »Tunin´ the Blues« mit einem früheren Lübbecker, Heinz Bohrenkämper am Bass, eingeladen. Zwar tanzte Lousiana Red mit seiner Gitarre auf einem Tisch und es wurde eine wunderbare Einweihungsparty, doch das war nichts gegen das, was sich am 20. Februar in den neu gestalteten Räumen des Bürgerhauses mit weißen Wänden und geöltem Fußboden abspielte.

Am Abend dieses Tages trat nämlich »No Mercy« auf und hatte am darauffolgenden Vormittag beim Einräumen der Instrumente die vage Befürchtung, dass das womöglich der letzte Auftritt der Band in diesen Räumen gewesen sein könnte. Das Ganze nahm seinen wilden Lauf, weil nämlich eine Karnevalsparty gefeiert wurde. Die Band verbreitete Bombenstimmung. Bei »Rock´n´Roll Music« kam der Boden des historischen Gebäude so in Schwingung, dass auf der Bühne die Mikrofone fast umfielen. Diese gute Laune führte bei einem Fan der Band dazu, dass er gleich sackweise Konfetti verstreute. Und das nicht nur im Veranstaltungsraum, sondern gleich im ganzen Haus. Ein Amerikaner kam als Huhn verkleidet, stand irgendwann auf einem Tisch, riss sich seine Federn aus dem Kostüm und verteilte diese komplett im Raum. Dann liefen auch noch die Toiletten über und schließlich flossen Bier und Wasser an der Theke durch den schönen Parkettboden, so dass die Decke des darunterliegenden Büros einen Riesenwasserfleck abbekam. Es war also gut drei Wochen nach der Eröffnung eine gründliche Überholung nötig.

Ansonsten verliefen die Dinge sehr viel ruhiger. Die Kneipe unter Andy Bautz florierte. Zeitweise wichen die Gäste am Wochenende mit ihren Getränken auf die Treppe aus, weil die »Letzte Instanz« proppevoll war. Bis zur Jahrtausendwende wickelte der Bürgerhausverein zahlreiche Veranstaltungen ab. Praktisch immer dabei waren Klaus Liebs und Horst Herzog. Sie mussten dann aber mit der nicht mehr vorhandenen Unterstützung seitens der Verwaltung und Politik klarkommen, so dass bis 2005 nur noch wenige Musikveranstaltungen stattfinden konnten. Stattdessen gab es für einige Zeit sehr erfolgreiche Vortragsveranstaltungen, ehe nach insgesamt 516 Veranstaltungen Schluss war.

Nach nunmehr 25 Jahren hat sich das einst angepeilte »Soziokulturelle Zentrum« in eine funktionierende Musikschule gewandelt. Das Land ist nach Auskunft aus der Stadtverwaltung als damaliger Zuschussgeber nach 25 Jahren nicht mehr im Rennen. Ändern wird sich jedoch vorerst nichts beim Alten Amtsgericht. Wie es heißt, denke man nach. Zum Beispiel für den Fall, dass die Pestalozzischule abgewickelt wird und dann ein schönes Domizil für die Musikschule abgeben würde. Eines steht aber auch fest: Große Partys wie einst werden vorerst im Bürgerhaus nicht gefeiert werden.

Bis Ende April rollt die Kugel kostenlos

Stadthallen-Kegelbahn lädt Neu- und Wiederentdecker ein

Lübbecke. Sie hat epische Feiern und großen Sport erlebt. Allerdings ist das ein Weilchen her. Dass es eine solche Anlage mitten in Lübbecke gibt, hat längst nicht mehr jeder auf dem Schirm. Für einen geselligen Abend und jede Menge Spaß ist die Kegelbahn der Lübbecker Stadthalle aber immer noch zu haben – und das in den kommenden Monaten sogar kostenlos.

Kegelbahn StadthalleJan Hendrik Maschke vom städtischen Bereich Schule und Freizeit (links) und Wirt Andreas Bautz wollen die Kegelanlage in der Lübbecker Stadthalle aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Die Stadtverwaltung und Stadthallen-Pächter Andreas Bautz, Wirt des »Blue Mojo« am Marktplatz, haben sich zur Belebung des Schätzchens diese   Aktion ausgedacht, die vor allem »Neu- und Wiederentdecker« ansprechen soll: Bis   Ende April werden nur die verzehrten Getränke abgerechnet. Gekegelt wird indes »für umme«.

»Wir wollen die Bahn aus dem Dornröschenschlaf wecken und das Angebot wieder einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen«, sagt Jan Hendrik Maschke vom Fachbereich Schule und Freizeit. Nicht nur für die sportliche Herausforderung, sondern vor allem für Geburtstags-, Vereins- und Betriebsfeiern eigneten sich die Räume hervorragend, weiß Andy Bautz, der die Anlage »ein in Vergessenheit geratenes Schmuckstück« nennt.

Auf einer Doppel- und einer Einzelbahn, jeweils mit angeschlossenem Raum für gemütliches Beisammensein, können zwei Gruppen parallel kegeln. Termine können unter Telefon 0176/24858680 oder per E-Mail   Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   vereinbart werden.

78 Grad: »Die magische Temperatur!«

»Lange & Söhne« aus Tengern brauen seit sechs Jahren ihr eigenes Bier

Tengern (huse). Gerhard Lange ist froh, dass er ein gemeinsames und zugleich außergewöhnliches Hobby mit seinem Sohn André betreiben kann. Die Langes verschwinden nämlich so etwa einmal im Monat im Keller und brauen dort gemeinsam Bier.

Bierbrauen ist eine WissenschaftEwi Rahe (links) hat viel von André und Gerhard Lange über das Bierbrauen gelernt.

Immer mal wieder bekommen sie dazu Besuch, dieses Mal war es Ernst-Wilhelm (Ewi) Rahe, der Zeit, Appetit und Durst mitgebracht hatte, denn so eine Brauaktion nimmt etwa sechs Stunden in Anspruch. André Lange ist derjenige, der sich mit dem Brauen auskennt, sein Vater kümmert sich stattdessen vornehmlich für die Technik. Was einst mit einfachsten Mittel betrieben wurde, hat sich nach und nach immer »professioneller« entwickelt. Wenn etwas gebraucht wurde, hat es Gerhard Lange eben gebaut. André Lange: »Wer braut, der baut«. Und der braucht auch Geduld und muss stets die Uhr im Auge haben, denn es sind beim Brauen nicht nur exakte Temperaturen, sondern auch ebenso genaue Zeiten einzuhalten.

Das Bierbrauen hat im Lübbecker Land eine lange Tradition. Nicht umsonst ist es zum »Barreland« erkoren worden. Doch nicht nur in der traditionsreichen Privatbrauerei werden Malz und Hopfen verarbeitet, sondern auch von etwa einem Dutzend Hobbybrauern hierzulande.

ProstVom ersten Ansatz bis zum fertigen Produkt vergehen rund fünf Wochen. Wer Bier braut, muss zwischendurch auch einmal anstoßen: Auf die Gesundheit!

Allerdings ist der jährliche Ausstoß nicht annähernd so groß wie bei den Profis von Barre. So kommen »Lange & Söhne« bei ihrer Bierherstellung im eigenen Keller in Tengern auf maximal 700 Liter im Jahr. Eine Produktion im übrigen, die von der Familie und deren Freunden konsumiert wird.

»Lange & Söhne«, das sind Gerhard Lange, sein Sohn André und dessen kleiner Sohn, der vierjährige Mika. Vor sechs Jahren haben sie mit ihrem gemeinsamen Hobby begonnen und brauen normalerweise einmal im Monat. Lange Tage sind das, denn einige Stunden ist man mit dem Brauvorgang beschäftigt.

Da muss man sich ein bisschen vorbereiten. Als kürzlich Ewi Rahe und ein Reporter dabei waren, gab es nicht nur Bier zum Testen, sondern auch Stippgrütze aus der Pfanne auf dem Grill und belegte Brötchen von der Hüllhorster Traditionsbäckerei Holzmeier. Die Langes sind inzwischen hervorragend ausgestattet. Die Edelstahlbehälter glänzen, eine Abfüllmaschine ist vorhanden. Man könnte auch Bier in Dosen abfüllen, eine Maschine ist dafür entwickelt worden.

Der Vater ist für die Technik zuständig, der Sohn für das Brauen. Wenn der zu erklären beginnt, fällt es schwer, bei der Fülle an Informationen zu folgen. Aber er hat ja ein Handbuch mit dem Titel »Der kleine Hobbybrauer« verfasst, in dem das komplizierte Geschehen Schritt für Schritt erläutert wird.

Demnach ist der Nährstoff für die Gärung beim Bier die Stärke aus dem Malz. Eine weitere Grundzutat ist der Hopfen, der dem Bier die sogenannte »Bittere« verleiht. Und dann noch die Hefe, ein Pilz, der Zucker verstoffwechselt. Auch sie, so erklärt André, sei in erheblichem Maße für die Eigenschaften des werdenden Bieres entscheidend.

Bier in Dosen 2Flasche oder Dose – »Lange und Söhne« kann beides abfüllen.

Der Brautag beginnt früh. Zunächst das Maischen: Dabei werden die festen Malzbestandteile gelöst, so dass essenzielle Nährstoffe für die Hefe freiwerden. Das Wasser wird auf 60 bis 61 Grad aufgewärmt. Danach wird das Pilsener und Münchener Malz untergerührt, und es ergibt sich eine Maische von 42 Litern (bei 34 Litern Wasser) mit einer Temperatur von 57 Grad. Nach zehn Minuten wird weiter aufgeheizt auf 61 bis 63 Grad. Bei dieser Temperatur und bei 70 bis 72 Grad wird jeweils eine Rast von 45 Minuten eingelegt, die zur allgemeinen Stärkung genutzt werden kann. Diese Unterbrechungen sind wichtig für das Auflösen verschiedener Enzyme.

Für den nächsten Arbeitsgang wird die Maische dann auf 78 Grad erhitzt. André: »Die magische Temperatur«. Weil es ein »Höpchen Alt« werden soll, kommt kurz vor dem Abmaischen Farbmalz hinzu. Nach dem Maischen müssen die festen Bestandteile (Treber) von der Würze getrennt werden. Diesen Vorgang nennt man beim Brauen Läutern. Bevor der Treber trockenläuft, werden weitere 37 Liter Wasser mit 78 Grad nachgegossen (Die Mengen ergeben sich aus der Menge Bier, die man bekommen will). Diesen Vorgang nennt man »Anschwänzen«.

Beim Würzekochen wird Eiweiß ausgeschieden und das Abdestillieren unerwünschter Aromastoffe sichergestellt. Hierbei wird nun endlich auch der Hopfen hinzugegeben. Dieser muss nach der Eiweißausscheidung mindestens 70 Minuten mit der Würze kochen. Beim Kochen der Würze sterben alle unerwünschten Keime ab. Danach muss die Würze so schnell wie möglich auf eine Temperatur unter 20 Grad heruntergekühlt werden. Beim Ansaugen schmeckt man Malzbier, der Alkohol fehlt. Nach einer weiteren Filterung ist die Arbeit für diesen Tag fast getan. Es müssen noch vier Liter »Speise« abgefüllt werden. Die wird für die Nachgärung in etwa zwei Wochen gebraucht. Nach gut zwei Wochen ist dann die Hauptgärung abgeschlossen. Dann muss nur noch der endgültige Extratgehalt gemessen werden, bevor in Flaschen abgefüllt wird. Jetzt gilt es nur noch etwa drei Wochen abzuwarten, damit sich die Kohlensäure bilden kann. Dann heißt es »Prost«. Und eines ist sicher: wenn ich das nächste Mal den Langes beim Brauen zusehe, lasse ich mich bringen.

 

 

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